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Hoi An – Die Stadt der vielen Schneiderlein

In Hoi An kamen wir leider im strömenden Regen an. So wurde uns direkt klar gemacht, was uns hier die nächsten Tage noch erwarten wird. In Zentralvietnam ist leider anders als im Norden und Süden aktuell Regenzeit, aber das wussten wir ja vorher und so kamen unsere lange unnötig mitgeschleppten Regenjacken zum Einsatz.

Vietnam_Tag1011112_15Die Regenzeit ist wohl auch die Lieblingszeit der Taxifahrer, die sich in Hoffnung auf gute Beute auf uns stürzten. Wir hatten jedoch andere Pläne und gingen, nachdem wir kurz warteten bis der Regen schwächer wurde, ein Sandwich essen. Es war nicht irgendein Sandwich, das wir fanden, sondern meiner Meinung nach das Beste, das wir bisher gegessen hatten. Dicke Brocken saftiges Schweinefleisch mit ordentlich Fett und lecker Soße!

Vietnam_Tag1011112_39Während dessen einigten wir uns auf ein Hotel, zu dem wir uns wegen den anhaltenden Regen aber lieber vom einem Taxi fahren lassen wollten. Wir gingen zu einem kleinen Platz, auf dem fünf Taxis standen und frugen, wer uns mit eingeschaltetem Taxameter zu der 4km entfernten Adresse fahren würde. Natürlich wollte dies keiner der hier wartenden Taxis machen. Wir ließen uns aber auf keine Festpreisverhandlungen ein und zogen los. Schon wenige Meter später hielt eines dieser Taxis neben uns an und fuhr uns doch mit laufendem Taxameter zum Hotel.
Leider hatte dieses Hotel nur noch ein Zimmer zur Verfügung (wir waren immernoch zu Viert unterwegs) und so mussten wir zur nächsten Adresse 1 km laufen. Auch hier hatte man für die erste Nacht leider nur noch ein Zimmer, aber mit zwei großen Betten. Wir entschieden uns also zu bleiben und uns ein Zimmer für eine Nacht zu teilen. Es fühlte sich an wie auf Klassenfahrt 😉

Vietnam_Tag1011112_33Lars und ich machten uns direkt auf den Weg in die Altstadt um uns einen Schneider zu suchen. Eigentlich hatten wir dies erst für unsere letzte Station in Ho-Chi-Minh-Stadt geplant, aber wenn wir nun schon in der Stadt der Schneider waren, mussten wir uns wenigstens ein Angebot machen lassen.

Vietnam_Tag1011112_32Wir suchten uns den auf TripAdvisor am besten bewerteten Schneider aus und fuhren gegen 15 Uhr mit dem Fahrrad zu DongSilk. Die freundlichen Damen im Laden sprachen gutes Englisch und konnten uns super beraten. Lars entschied sich für zwei Anzüge und zwei Hemden für zusammen 290$ und ich für einen Anzug mit zwei Blusen für 180$. Wir wurden an allen möglichen Stellen vermessen und auch auf Sonderwünsche wurde sofort eingegangen. Wir haben uns bereits letztes Jahr einen Anzug/einen Blazer bei Dolzer in Deutschland schneidern lassen. Bereits beim Vermessen merkten wir, das hier wird anders. Nach etwa 1 1/2 Stunden verließen wir mit einem Termin für 13 Uhr am nächsten Tag den Laden. Wir fuhren zurück zum Hotel, wo wir Maureen und Sien aufsammelten und zum Essen gingen. Das Restaurant wurde uns im Hotel empfohlen und war ausgezeichnet. Günstige Preise, große Portionen und richtig lecker.Vietnam_Tag1011112_45

Am nächsten Morgen gab es ein Frühstück im Hotel und danach zogen Lars und ich in unser eigenes Zimmer. Nachdem wir einen erneuten kräftigen Regenschauer abgewartet hatten, schwangen wir uns auf die kostenlosen Leihfahrräder und radelten Richtung Altstadt. Leider ging Siens Fahrrad nach wenigen Metern kaputt und wir mussten noch einmal umkehren um ein anderes zu holen. Endlich in der Altstadt angekommen kauften wir uns ein Ticket, mit dem man fünf Sehenswürdigkeiten besichtigen kann. Als erstes gingen wir zu einem kleinen Wohnhaus, das einer alten Handelsfamilie gehört. Die Familie lebt noch immer in diesem Haus, öffnet aber täglich die untere Etage für Touristen. Als Attraktionen im Lonely Planet empfohlen, waren wir etwas enttäuscht. Es gab nicht viel zu sehen und es war auch nicht viel erklärt. Zudem war eine Hälfte des Hauses wegen Mittagspause gesperrt, obwohl davon am Eingang nichts erwähnt wurde.

Der nächste Weg führte zum Schneider. Die Anzüge und Hemden/Blusen saßen schon fast perfekt. Schnell ein paar Markierungen mit der Schneiderkreide und schon verließen wir den Laden mit einem neuen Termin für 15.30 Uhr.

Vietnam_Tag1011112_26Vietnam_Tag1011112_37In der Zwischenzeit aßen wir zum Mittag ein Sandwich in einem kleinen Laden,in dem es genau eine Art Sandwich gab, das von einer älteren Frau zubereitet wurde. Was da genau drauf war wissen wir bis heute nicht, aber es war lecker. Wir besuchten ein kleines Museum mit alter Keramik, die zu früheren Zeiten in Hoi An gehandelt wurde. Leider handelte es sich hierbei mehr um eine Tonscherbenausstellung und das Interessanteste war die Architektur de alten Hauses und der Blick vom Balkon.

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Außerdem stöberten wir ein wenig in den schönen Geschäften, die deutlich mehr Highlights zu bieten hatten, als die Museen, die wir uns angeschaut hatten und Lars fand endlich zwei Ledergürtel, die ihm gefielen. Er hielt bereits seit dem ersten Tag der Reise danach Ausschau. Da sag noch mal einer, dass shoppen mit Männern einfach wäre ;). Wir fanden schließlich auch noch ein Reisebüro, in dem wir endlich unsere Flüge nach Phu Quoc buchen konnten.

Vietnam_Tag1011112_31Hier wunderten wir uns, dass wir mit meiner DKB Kreditkarte kein Geld mehr abheben konnten. Zu diesem Zeitpunkt glaubten wir noch, dass die Karte evtl wegen der vielen Versuche mit ihr online die Flugtickets zu bezahlen, gesperrt wurde. Zum Glück hatten wir ja vorgesorgt und noch unsere Number26 Kreditkarte dabei. Schnell zum Schneider. Meine Sachen waren fertig und saßen wie angegossen. Bei Lars Anzug fehlten noch die Knöpfe und so hatten wir einen letzten Termin für den nächsten Morgen, an dem wir alles abholen durften. Mein Anzug und meine Blusen waren somit aber innerhalb von 24h fertig. Respekt!

Zurück im Hotel merkten wir, als wir uns online in unser Bankkonto einloggten, dass die Karte nicht gesperrt, sondern im Minus war. Eigentlich sollten auf ihr aber noch ~900€ sein. Schnell die letzten Abbuchungen kontrolliert und die Befürchtung wurde war. Acht unautorisierte Abbuchungen aus Laos in den letzten zwei Tagen. FUCK! Die Kreditkarte wurde kopiert.
Wir haben also schnell Guthaben bei Skype aufgeladen und die DKB angerufen. Die Karte wurde sofort gesperrt und wir wurden etwas beruhigt, dass wir das Geld mit 90%iger Wahrscheinlichkeit erstattet bekommen, wenn wir es zur Anzeige bringen und beweisen können, dass wir die Abbuchungen nicht getätigt haben. Geht zum Glück ganz einfach, da wir uns ja in einem ganz anderen Land befanden. Nach ein paar Flüchen und Verwünschungen in Richtung der Täter brauchten wir erstmal ein paar Bierchen und etwas zu Essen. Noch einmal führte uns der Weg in das Restaurant vom Vorabend.

Vietnam_Tag1011112_14Nach einem kurzen Abstecher in eine Bar mit Cocktails und Shisha machten wir uns auf den Rückweg. Die Regenzeit hatte ich ja schon erwähnt und die schlug nun richtig zu. Von Taxis wird zu dieser späten Uhrzeit abgeraten und wir hätten auch keins gefunden. Also liefen wir im anfänglichen Nieselregen los. Auf halber Strecke verwandelte sich dieser aber in einen Wolkenbruch. Das Wasser stand Knöchelhoch auf der Straße und auf dem Weg zum nächsten Unterschlupf waren wir bereits so nass, dass es keinen Unterschied mehr machte weiter zu gehen, als es ganz heftig wurde, suchten wir Schutz in einer ATM.

Vietnam_Tag1011112_38Triefend kamen wir am Hotel an, das leider das Eingangstor verschlossen hatte. Mist, jetzt durften wir auch noch die hochschwangere Hoteleigentümerin aus dem Bett klingeln.
Am nächsten Morgen fuhren Lars und ich vorm Frühstück zum Schneider und holten unsere Sachen ab. Auch hier saßen wir wegen dem Regen wieder etwas länger fest. Danach frühstückten wir mit den Mädels, checkten aus dem Hotel aus, ließen unser Gepäck dort und fuhren mit den Fahrrädern noch einmal in die Stadt. Hier besuchten wir ein Edelsteinmuseum (ich würde es eher als schön dekorierte Bar bezeichnen), zwei Assembley Halls, die zu Tempeln umfunktioniert wurden und ein paar kleine Läden.

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Danach hatten wir genug von der Altstadt gesehen und entschlossen noch einen Abstecher zum 4 km entfernten Meer zu machen. Dort angekommen, wollten die „netten“ Damen vor Ort Geld für das Abstellen der Fahrräder. Es wäre wahrscheinlich wieder nicht viel Geld gewesen, aber mit ihrer charmanten Art wussten die Frauen erneut wie sie uns vergraulen konnten. Also fuhren wir etwa 200 m zurück zu einem Restaurant um erst etwas zu essen und im Anschluss die Fahrräder kostenlos dort stehen zu lassen und ans Meer zu gehen. Es herrschte richtiges Nordsee-Wetter. Hohe Wellen und kräftiger Wind wühlten das Meer ordentlich auf.

Vietnam_Tag1011112_43Nach einem kurzen Strandspaziergang war der Rückweg angesagt. Dabei machten wir noch ein paar kurze Stopps um uns mit Süßigkeiten und Sandwiches für die rund 17-stündige Fahrt nach Mui Ne einzudecken.

Vietnam_Tag1011112_44 Vietnam_Tag1011112_3 Vietnam_Tag1011112_2Zurück am Hotel durften wir im Badezimmer der Familie noch einmal duschen und warteten dann auf unseren Pickup-Service. Der Fahrer kam pünktlich um 17.30 Uhr und brachte uns zum Busbahnhof. Mit etwa 45 Minuten Verspätung kam unser Bus und die Reise konnte weitergehen. Mal wieder einer unserer Lieblings-Schlafbusse, die viel zu kurz und eng für westliche Reisende sind. Zudem fuhr der Fahrer die ganze Nacht wie eine gesengte Sau und trug so auch dazu bei, dass wir nicht gerade ausgeschlafen gegen 8 Uhr in unserem Zwischenziel Nah Trang ankamen.

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Hier sollten wir alle aussteigen und natürlich mal wieder niemand anderem vertrauen, als dem Besitzer dieses einen Reisebüros. Der begrüßte uns (vermutlich auf irgendwelchen Drogen?!) sehr überschwänglich und sang ein Lied nach dem anderen. Natürlich gab es auch hier wieder nur ein Restaurant in das man gehen sollte. Wir ergriffen die Flucht und gingen in einem Hotel sehr lecker frühstückten. Etwa eine Stunde später kam der Anschlussbus. Leider auch wieder unnötigerweise ein Sleeperbus, denn wach waren wir nun alle. Etwa 1 1/2 Stunden nach Abfahrt hielt der Bus an einer kleinen Raststätte für eine Pinkelpause. Maureen und Sien stiegen aus, um auf Toilette zu gehen. Scheinbar hatte die Toilettenfrau aber etwas dagegen. Die beiden hatten das Pech, die ersten zu sein, denn die Frau schrie sie sofort auf Vietnamesisch an. Die beiden wollten Geld zahlen, doch die Frau wurde handgreiflich und schubste sie weg. Als Sien sich dann nach einiger Diskussion und weiteren Tätigkeiten umdrehte, nahm die Frau einen Stein und warf ihn nach ihr. Sie traf sie tatsächlich am Bein! Lars war in der Zwischenzeit aus dem Bus gestiegen und den beiden zur Hilfe geeilt. Anders als die anderen Mitreisenden (auch Männer!) die nur blöde zuguckten. Er redete ruhig auf die Frau ein, aber sie schrie weiter. Ein Vietnamese kam dazu und versuchte ebenfalls zu schlichten. Keine Chance. Hier durfte keiner aufs Klo. Geschockt stiegen alle wieder in den Bus.
Dafür gab es dann kurze Zeit später eine 40-minütige Mittagspause. Gegen 14 Uhr kamen wir dann endlich in Mui Ne an und konnten ein paar Tage Erholung am Strand nun gut gebrauchen.

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3 Kommentare zu “Hoi An – Die Stadt der vielen Schneiderlein

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